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Thorsten Reinicke
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Thorsten Reinicke Büro
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transform Teil 2
Architektur und Bewußtsein

Einleitung

Architektur ist immer auch ein Ausdruck unseres Bewußtseins.

Wir nehmen Materialien und Rohstoffe, die wir in unserer Umgebung vorfinden und die uns geeignet erscheinen, formen sie um und fügen sie an ausgewählten Orten neu zusammen. Architektur entsteht im Rahmen der vorgefundenen und erkannten Möglichkeiten, und unserer Ideen und Anschauungen, unseres Wissens und Könnens. Die äußeren Bedingungen und unser inneres Denken bestimmen unser Handeln. Das entspricht den drei philosophischen Grundfragen: Wie ist die Welt? Wie sind wir selbst? Wie handeln wir? Was und wie wir bauen, ist abhängig davon, welches Bewußtsein wir darüber haben.

Bewußtsein bedeutet ja nicht nur, sich über etwas bewußt zu sein, sondern auch die innere Befähigung und Bereitschaft, sich überhaupt über etwas bewußt werden zu können und zu wollen. Das ist abhängig vom Entwicklungstand unserer Erkenntnis und Erkenntnisfähigkeit. Die von der Bewußtseinsforschung für die Evolution unseres Bewußtseins entworfenen Theorien weisen in ihren Grundzügen Gemeinsamkeiten auf, nämlich ganz allgemein eine Bewußtseinsentwicklung aus einem anfänglichen Urbewußtsein heraus über den Glauben hin zur Rationalität und über diese hinaus.

Vom Philosophen Jean Gebser stammt ein kulturwissenschaftlich orientiertes Strukturmodell unserer Bewusstseinsgeschichte, welches mir in Zusammenhang mit Architektur passend erscheint. Nach seiner Meinung lassen sich kulturphänomenologisch vier Bewusstseinsstrukturen nachweisen, die den heutigen europäischen Menschen konstituieren: Die archaische, die magische, die mythische und die mentale Struktur. In unserer Zeit soll sich der „Durchbruch einer neuen, integralen Bewusstseinsstufe" ereignen.

Die mental-rationale Stufe ist uns heute vertraut und selbstverständlich. Unser Denken und Handeln ist zumeist vernunftgeleitet und an Zwecken ausgerichtet. Unser Handeln soll vor unserer Vernunft bestehen. In der Architektur findet diese Bewußtseinsstruktur ihre Entfaltung im Funktionalismus. Bauaufgaben sollen mit Verstand und Logik gelöst werden. Funktionale Aspekte werden gegenüber der ästhetischen Form betont. Ein Entwurf soll begründet und erklärt werden können.

In transform Teil 2. möchte ich darüber hinaus gehen. Die rein rationale Stufe unseres Bewußtseins ist heute defizitär geworden. Wir können mit ihr unsere mannigfachen globalen Probleme nicht mehr lösen. Aber ich möchte mich auf Architektur beschränken. Gibt es hier Möglichkeiten, die Nachteile eines funktionalen Denkens zu überwinden?

Im Folgenden versuche ich, mich Dem von verschiedenen Seiten zu nähern.

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